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Frohe Weihnachten!

Liebe Leser,
es muss befürchtet werden, dass bezüglich der Pandemie noch einiges auf uns zu kommt, wo wir doch vor einem Jahr geglaubt haben, dass die Sache sich mit der Verfügbarkeit von Impfstoffen bald erledigt haben würde.
Das bedeutet wie in allen anderen Bereichen auch für unsere Arbeit auf absehbare Zeit weiterhin Einschränkungen, weniger Kontakte, weniger Treffen, kaum Gemeinschaftsunternehmungen. Und in den Medien bekommt eine lautstarke Minderheit eine Aufmerksamkeit, die sie eigentlich nicht verdient. Wer sich nur daran orientiert, der kann wohl den Mut verlieren.    
Doch ich möchte hier lieber von einigen positiven Dingen erzählen, die mit unserer Arbeit als Flüchtlingshilfe zusammenhängen. So werden uns nach wie vor von vielen Leuten Sachspenden angeboten, Gespräche bei diesen Anlässen zeigen immer wieder, dass wohl die meisten Menschen im Papenteich unsere Arbeit positiv bewerten. Als Eva Leis zu Beginn der Pandemie eine Spendenaktion zugunsten der Gifhorner Tafel initiierte, kamen in kurzer Zeit insgesamt mehr als 12.000 Euro zusammen. Ein Rest von 720 € wurde in den letzten Wochen durch Lebensmittelkäufe verbraucht.
Das Weihnachtspostamt ist in diesem Jahr ebenfalls in einem Maße durch Spenden unterstützt worden, wie wir es nicht erwartet hatten. Auf einen Bericht in der November-Ausgabe der Papenteicher Nachrichten meldeten sich viele Papenteicher Bürgerinnen und Bürger, die Geschenke spenden wollten. In drei Fällen haben sie selbst das Geschenk besorgt und liebevoll eingepackt, in den meisten Fällen wurden Geldbeträge in unterschiedlicher Höhe gespendet. Am Ende kamen so viele Spenden zusammen, dass das gesamte Weihnachtspostamt dadurch finanziert werden konnte. Es geht dabei um 49 Kinder und Jugendliche, denen wir zu Weihnachten jeweils ein Geschenk im Wert von etwa 25 € überreichen konnten.
Für diese großzügige Unterstützung danken wir ganz herzlich Corinna W. und Daniel B., Fam. Seurig, Fam. Brüggemann, Fam. Müller, Fam. Jünemann, Fam. Zander, Fam. Plack, Fam. Nadjib, Fam. Wendland und anonymen Spendern.
Rodolphe hat die Prüfung bestanden!
2019 hatte Rodolphe K., der aus der Republik Elfenbeinküste geflohen war, eine Ausbildung zum Verkäufer bei EDEKA in Meine begonnen. Der praktische Teil dieser Ausbildung machte ihm dabei keine großen Probleme, wohl aber der theoretische Teil in der Berufsschule. Mit kaufmännischen Fachbegriffen hat man verständlicherweise größere Schwierigkeiten, wenn man die Sprache noch nicht beherrscht, das andere größere Problem waren fehlende Grundlagen in der Mathematik. Kaufleute müssen nun mal rechnen können und zum Beispiel mit der Prozentrechnung vertraut sein. Doch Rodolphe lernte sehr zielstrebig, machte erkennbare Fortschritte und schaffte im November die schriftliche Prüfung, nachdem er kurz vorher auch in der mündlichen erfolgreich war. Wir freuen uns sehr mit Rodolphe und gratulieren ihm ganz herzlich zu diesem Erfolg, den wir ein klein wenig auch als Erfolg unserer Integrationsbemühungen sehen.

Für das zweite Corona-Weihnachtsfest wünsche ich nun Allen im Namen des Vorstands friedliche und schöne Feiertage.
Achten Sie  auf die Corona-Regeln, aber denken Sie nicht immer an sie. Und bleiben Sie vor allem gesund!  

Heinrich Lagemann

Wechsel im Vereinsvorstand

Bei den Vorstandswahlen während der Jahreshauptversammlung 2021 am 23. September trat Eva Leis aus persönlichen Gründen leider nicht wieder für den Vorsitz an. Sie hatte dies vorher angekündigt, was von allen sehr bedauert wurde, denn Eva hat sich von Beginn an, also seit mehr als 5 Jahren, im besonderen Maße engagiert und durch ihre Ideen und ihre Tatkraft unsere Arbeit und unseren Erfolg entscheidend geprägt. Als im April 2017 die Flüchtlingshilfe zu einem eingetragenen Verein wurde, war es für alle klar, dass sie den Vorsitz übernehmen sollte.
Auf eigenen Wunsch möchte sie nun aus der ersten Reihe zurücktreten, hat aber versprochen, weiterhin mit Rat und Tat dabei zu bleiben. Als neuer 1. Vorsitzender wurde Heinrich Lagemann gewählt, der ebenfalls von Anfang an dabei ist und zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden ohne Gegenstimmen wiedergewählt.  

von links: Wolfgang Stindl (Kassenwart), Dorothea Winter (2. Vorsitzende), Eva Leis,
Heinrich Lagemann; auf dem Foto fehlt Martina Behrens (Schriftführerin)



Kreis Gifhorn erwartet weitere Flüchtlinge.

Wir haben alle in den Medien die Evakuierung aus Kabul verfolgt. Darunter waren viele Afghaninnen und Afghanen, die um ihr Leben fürchten mussten und nun bei uns und in anderen Ländern Schutz suchen, möglicherweise auch im Kreis Gifhorn.
Die Aufenthaltsberechtigungen in Deutschland für diese Personen sind unterschiedlich, je nachdem, ob es sich um sogenannte “Ortskräfte” handelt oder nicht.
In diesem Zusammenhang warnt die Hilfsorganisation PRO ASYL davor, dass diejenigen, die nicht als “Ortskräfte” gelten, vorschnell einen Asylantrag stellen:

Es ist zwar richtig, dass das in diesen Fällen erteilte Visum nach § 22 AufenthG zunächst nur für 90 Tage gültig ist – ein Grund zur Eile oder gar einer überstürzten Asylantragstellung besteht jedoch nicht, im Gegenteil. Denn bei einer Aufnahme aus dem Ausland im Rahmen des § 22 AufenthG ist bereits vor der Visumserteilung eine besondere Schutzbedürftigkeit der Betroffenen festgestellt worden. Ergo ist in der Regel davon auszugehen, dass Personen, die ein Visum nach § 22 AufenthG erhalten haben, im Anschluss auch eine Aufenthaltserlaubnis nach § 22 AufenthG erhalten sollten.

Schließlich geht es sowohl bei der Visaerteilung als auch bei Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis um die gleichen tatbestandlichen Voraussetzungen. Evakuierte sollten sich also zunächst innerhalb des Gültigkeitszeitraums des Visums an die für sie zuständige Ausländerbehörde richten und dort einen Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach § 22 AufenthG stellen. Sollte dieser Antrag abgelehnt werden, kann – nach Prüfung der Rechtmäßigkeit einer solchen Entscheidung – immer noch ein Asylantrag gestellt werden.

ASYLANTRÄGE FÜHREN ZUM ERLÖSCHEN DES ERTEILTEN VISUMS – BEI UNGEWISSEN ERFOLGSAUSSICHTEN

Hinzu kommt: Im Falle einer Asylantragstellung erlischt das nach § 22 AufenthG erteilte Visum gemäß § 55 Abs. 2 AsylG. Wurde bereits eine Aufenthaltserlaubnis erteilt, so erlischt auch diese im Falle der Stellung eines Asylantrags nach § 51 Abs. 1 Nr. 8 AufenthG.

Quelle: https://www.proasyl.de/news/achtung-nach-evakuierung-aus-afghanistan-keinen-uebereilten-asylantrag-stellen/

Informationen dazu auch im von der Bundesregierung geförderten
Handbook Germany

Im Zusammenhang mit diesem Thema berichtet die Allerzeitung vom 15.09.21 über die gegenwärtige Situation im Landkreis. Wortgleich ist dieser Bericht bereits bei AZ/WAZ Online am 13.09.21 erschienen:

Afghanistan: Petition für die Familienzusammenführung

Worum geht es? Wir alle waren Zeugen der dramatischen Vorgänge in Kabul. Viele Afghaninnen und Afghanen müssen um ihr Leben fürchten, weil sie mit ausländischen Militärs oder Hilfsorganisationen zusammengearbeitet haben oder sich für Demokratie, freie Presse oder Frauenrechte eingesetzt haben.
Frau Leinemann von der Stabsstelle Integration des Landkreises hat uns nun auf eine Petition aufmerksam gemacht, die vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften initiiert wurde.
Es geht darum, dass durch die zu späte und unvollständige Evakuierung von “Ortskräften” und anderen gefährdeten Menschen aus Afghanistan oft Familien auseinander gerissen wurden.
Durch die Petition soll erreicht werden, dass alles getan wird, um möglichst vielen betroffenen Menschen auch nach Ende der Luftbrücke noch die Ausreise aus Afghanistan zu ermöglichen und Familien wieder zusammenzuführen.
Zur Petition: Hier klicken!

Online-Veranstaltung “Kinderimpfung”

Am Mittwoch, 08.09.21 bietet das MigrantenElternNetzwerk Niedersachsen eine Online-Veranstaltung an, in der es um Informationen zur Corona-Schutzimpfung von Kindern geht.
Mehr dazu unter Aktuelle Termine.

Flüchtling mit hervorragender Leistung bei der Ausbildung!

Wie die Aller-Zeitung am Samstag, den 14.08.21 berichtet, hat Souleymane Ballo, ein 28-jähriger Flüchtling aus der Republik Elfenbeinküste in Gifhorn so erfolgreich seine Ausbildung zum Glaser absolviert, dass er sie jetzt niedersachenweit mit den besten Noten abschließen konnte.
Auch bei uns im Papenteich gibt es einen jungen Mann von der Elfenbeinküste, der sich in einer Ausbildung befindet. Den mündlichen Teil der Abschlussprüfung zum Verkäufer hat er am 2. Juli bereits bestanden.

Zum Bericht der Allerzeitung:

Weltflüchtlingstag am 20. Juni 2021 – Das Projekt 21.000

Etwa 21.000 Menschen sind seit 2014 bei der Flucht über das Mittelmeer ertrunken.

Jährlich am 20. Juni findet seit 2001 weltweit ein Gedenktag für Flüchtlinge statt, also nun seit 20 Jahren. Menschen, die wegen Verfolgung, Krieg oder wirtschaftlicher Not ihre Heimat verlassen mussten, gab es auch vorher schon, zum Beispiel im 2. Weltkrieg und kurz danach. Und es gibt sie nach wie vor, gegenwärtig weltweit laut UNHCR rund 80 Millionen mit wachsender Tendenz. Eine große Zahl, die man sich nur schwer vorstellen kann. Doch 80 Millionen, das sind annähernd so viele Menschen, wie in Deutschland leben. Es sind 80 Millionen Einzelschicksale, es ist rund 1 Prozent der Weltbevölkerung. Mehr als die Hälfte davon sind Binnenflüchtlinge, das heißt, sie leben noch in ihrem Land, jedoch in einer anderen Region. Sie alle verbindet, dass sie in der Regel dort, wohin ihre Flucht sie gebracht hat, nicht willkommen sind. Aber viele kommen gar nicht erst dort an, wo sie sich ein Leben in Sicherheit erhofft haben. Und damit bin ich bei der Zahl 21.000. Denn auf der Überfahrt über das Mittelmeer sind seit 2014 mehr als 21.000 Menschen ertrunken, davon allein 2016 mehr als 5000. In jedem einzelnen Fall ein schreckliches Einzelschicksal.
Um dieser vielen Toten zu gedenken, hatte die Flüchtlingshilfe Papenteich beschlossen, sich in diesem Jahr dem Projekt 21.000 anzuschließen. Wir haben im Rahmen dieses Projektes am Abend des 20. Juni die Zahl 21.000 mit brennenden Teelichten dargestellt. Auch wenn diese vielen Menschen für uns anonym sind, so wollen wir sie nicht ganz vergessen!

FAIRANKERN – 2. Runde

Durch die nun schon seit mehr als einem Jahr andauernde Corona-Pandemie sind die Sorgen und Nöte von geflüchteten Menschen völlig aus dem Blickfeld geraten. Wer denkt zurzeit noch an die menschenunwürdigen Zustände im Lager Moria auf Lesbos, welchen Stellenwert in der öffentlichen Wahrnehmung haben gegenwärtig im Mittelmeer ertrunkene Menschen? So starben am 23.04. vor Libyen rund 120 Menschen, als ein Schlauchboot kenterte. Doch in beiden Gifhorner Zeitungen wurde dieses Drama mit keiner Zeile erwähnt.

Die im Kreis Gifhorn aktive Initiative „Sicherer Hafen Gifhorn“ hat zum Ziel, diesen Menschen zu helfen, ihnen eine Zuflucht zu bieten. Zu diesem Zweck wurde das Label „FAIRANKERN“ entwickelt, mit dem Organisationen, Firmen und Kommunen ausgezeichnet werden, die Flüchtlingen helfen, sie integrieren und ihnen Jobs und Perspektiven geben.
Das Label ist ein sichtbares Zeichen für die vielen kleineren und größeren „Sicheren Häfen“, die es mittlerweile für Geflüchtete im Landkreis Gifhorn gibt. Es stellt ein Gegengewicht zu Fremdenfeindlichkeit und Hass dar.
Inzwischen gibt es weitere Unterstützung durch Institutionen und Kommunen, die kürzlich in einer 2. Auszeichnungsrunde gewürdigt wurden. Neben der Stadt Gifhorn hatte sich im Februar auch die Stadt Wittingen per Ratsbeschluss zum Sicheren Hafen erklärt, ihr wurde dafür am 24.04.21 in Wittingen im Rahmen eines Pressetermins das FAIRANKERN-Label offiziell überreicht.
Ebenfalls in dieser 2. Auszeichnungsrunde dabei sind aber auch wieder Firmen, Institutionen und Personen aus dem Papenteich:
Die katholische Kirchengemeinde St. Andreas aus Meine hat über Jahre zum Café der Begegnung in ihren Räumen eingeladen, das Kernteam der Flüchtlingshilfe konnte seine Sitzungen dort durchführen. Und seit rund 5 Jahren vermietet die Kirchengemeinde Wohnraum an eine syrische Familie.

Eva Leis überreicht das Label an Andreas Galla von der Gemeinde St. Andreas. Katharina und Norbert Kroll freuen sich mit.

Die Firma EDEKA Ankermann in Meine beschäftigt allein 8 Geflüchtete und macht sich auf diese Weise besonders um die Integration dieser Menschen verdient. Dieses Beispiel zeigt auch, dass die Flüchtlinge durch eigene Arbeit selbst ihren Lebensunterhalt verdienen wollen und können, wenn man sie lässt. Sie arbeiten und zahlen Steuern oft in Jobs, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend gesucht werden.

Martina Behrens überreicht dem Marktleiter Herrn Schäfer das Label.

Die Bürgermeisterin Doris Pölig kümmert sich ebenfalls vorbildlich um geflüchtete Menschen in ihrer Gemeinde Adenbüttel. Sie besucht Neuankömmlinge persönlich und organisiert ganz gezielt alle erforderlichen Hilfsmaßnahmen gemeinsam mit Adenbütteler Bürgerinnen und Bürgern.  Außerdem stellte die Gemeinde ihre Räumlichkeiten für die Einstufung zu Deutschkursen zur Verfügung und half der Flüchtlingshilfe, Deutschkurse der Volkshochschule im Ort zu realisieren. Mit der Überreichung des Labels an Frau Pölig soll daher auch die ganze Gemeinde Adenbüttel ausgezeichnet werden.

Eva Leis mit der Adenbütteler Bürgermeisterin Doris Pölig

Die Flüchtlingshilfe Papenteich ist Mitglied der Initiative „Sicherer Hafen Gifhorn“ und trägt gleichzeitig selbst das Label „FAIRANKERN“. Wir freuen uns über die neuen „sicheren Häfen“ und laden gleichzeitig dazu ein, bei uns als „Hafenarbeiter“ mitzumachen.

Flüchtling als Unternehmer – Eine Erfolgsgeschichte

Am 1. März 2021 wurde in Isenbüttel der Friseursalon YOURSTYLE neu eröffnet. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, abgesehen davon, dass ab diesem Tag die Friseursalons nach dem 2. Lockdown wieder öffnen durften. Doch in diesem Fall ist es auch der Start in die Selbständigkeit für einen jungen Syrer, der erst im September 2015 nach Deutschland gekommen war und hier bei Null angefangen hat.

Der neue Friseursalon in Isenbüttel

Ich lernte Amer Ghazaal im Januar 2016 kennen, als er mit 6 weiteren Syrern in Abbesbüttel gerade eine Unterkunft gefunden und auch bereits einen Deutschkurs an der Volkshochschule begonnen hatte. Er stammt aus Damaskus und hatte bereits das Friseurhandwerk gelernt, als seine Flucht ihn schließlich nach Deutschland führte. Damit wollte er nun auch hier seinen Unterhalt verdienen und fand zunächst Arbeit in einem Salon in Meine. Anschließend arbeitete er in Gifhorn. Und nun, nur gut fünf Jahre nach seiner Ankunft im Papenteich, erfolgte der große Schritt in die Selbständigkeit mit 2 Mitarbeitern. Außerdem unterstützt ihn seine Frau, ebenfalls aus Damaskus, bei dem Schriftverkehr, der mit der Leitung eines Betriebs verbundenen ist. Mit dem Verlauf des Geschäfts ist Amer Ghazaal nach Ablauf der ersten Wochen zufrieden. Das Ehepaar ist glücklich, in Deutschland eine Perspektive in Sicherheit und Frieden gefunden zu haben und ist allen dankbar, die ihnen bei der Integration geholfen haben.

Der Salon „YourStyle“ befindet sich in Isenbüttel, Hauptstraße 5, da wo die Molkereistraße auf die Hauptstraße trifft, es gab dort auch vorher schon einen Friseursalon. Ich war gleich am 3. Tag da und habe mir von Amers Mitarbeiter Maten Farhat, ebenfalls Syrer, die Haare schneiden lassen. Das wegen der Corona-Pandemie notwendige Hygienekonzept wurde einwandfrei umgesetzt und meine Frisur war nach mehreren Monaten ohne Haarschnitt wieder tadellos, als ich den kleinen, aber gut eingerichteten Salon wieder verließ. 

Maten Farhat schneidet mir die Haare

Die Flüchtlingshilfe Papenteich freut sich mittlerweile ja über eine ganze Reihe von gelungenen Integrationsgeschichten, aber diese Existenzgründung, noch dazu in Corona-Zeiten, ist schon etwas Besonderes. Sie macht Mut, und wir drücken die Daumen, dass das junge Unternehmen weiterhin erfolgreich ist.

Heinrich Lagemann

5 Jahre Flüchtlingshilfe Papenteich!

Mittwoch, 2. März 2016: Rund 80 Bürgerinnen und Bürger sind im neuen Gemeindezentrum in Meine zusammen gekommen, weil sie aus den Zeitungen erfahren hatten, dass die Sporthalle am Meiner Gymnasium mit Flüchtlingen belegt werden solle, die Rede ist von 150 oder 200 Menschen.
Neben dem Moderator Ott Heinrich von Knobelsdorff sitzen der Samtgemeindebürgermeister Helmut Holzapfel und die Meiner Bürgermeisterin Ines Kielhorn auf dem Podium.

Zwar gab es schon seit längerem Flüchtlinge in der Samtgemeinde und es gab auch schon Bürgerinnen und Bürger, die ihnen halfen. Doch nun bekam das Ganze eine neue Dimension. Die Diskussion des Abends kreiste aber nicht um die Frage, wie man diese Belegung verhindern könne, obwohl sicherlich niemand glücklich darüber war, dass im Falle der Belegung der Schulsport und der Vereinssport für längere Zeit ausfallen würden. Vielmehr ging es darum, was zu tun sei, um den Ankömmlingen zu helfen und dadurch auch mögliches Konfliktpotential zu entschärfen. Darum kann der 2. März 2016 als der Tag angesehen werden, an dem die Flüchtlingshilfe Papenteich aus der Taufe gehoben wurde. Dies zeigt schon der mit großer Zustimmung gefundene Name „Unterstützerkreis Flüchtlingshilfe Papenteich“, mehr noch unterstrichen es die 6 Arbeitsschwerpunkte „Willkommenshilfe“, „Orientierung“, „Begleitung“, „Sachspenden“, „Freizeit und Beschäftigung“ und „Deutschunterricht/Dolmetschen“, auf die sich die Anwesenden einigten. Für jeden dieser Arbeitsschwerpunkte fanden sich aus der Mitte der Versammlung Teamleiter und weitere engagierte Bürgerinnen und Bürger, die mitmachen wollten. Drei der Anwesenden übernahmen die Aufgabe, eine eigene Homepage zu erstellen, eben diese Homepage.
Sie war bereits 6 Tage später fertig und ging am 8. März online. Genauso schnell begann man in den Arbeitsgruppen, parallel an Konzepten zu feilen.

Die Gifhorner Rundschau berichtete am 4. März 2016

Die Sporthalle musste dann doch nicht belegt werden, die Flüchtlinge, die in den nächsten Wochen kamen, wurden dezentral in Wohnungen untergebracht, die der Landkreis anmietete. Die Aufgaben jedoch blieben, die ankommenden Flüchtlinge wurden möglichst gleich am Ankunftstag von uns begrüßt, wir halfen bei der Ausstattung der Wohnungen, unterstützten bei der Orientierung im Ort und beim Schriftverkehr mit der Ausländerbehörde. Schon am 4. April öffnete das „Café der Begegnung“ im evangelischen Gemeindehaus zum ersten Mal, zunächst mit schwacher Resonanz. Doch beim zweiten Mal einen Monat später kamen rund 20 Flüchtlinge, es zeigte sich schnell, dass ein solcher Ort für Gespräche und gegenseitiges Kennenlernen äußerst wichtig war und nach wie vor ist. Deshalb startete Ende Mai 2016 ein weiteres Café der Begegnung im katholischen Gemeindehaus, das ebenfalls einmal monatlich stattfand.
Die Gespräche waren zunächst sehr schwierig, weil die Deutschkenntnisse naturgemäß gering waren. Dies zu ändern, war die nächste wichtige Aufgabe für uns.
Ab dem 2. Mai 2016 fand deshalb zweimal wöchentlich für je 90 Minuten ein von uns organisierter und durchgeführter Gruppenunterricht statt. Es waren überwiegend Lehrkräfte, die diese Aufgabe übernahmen, doch auch für sie war Deutschunterricht für Erwachsene aus dem arabischen Raum Neuland. Hinzu kam, dass einige der Flüchtlinge Analphabeten waren, also auch in ihrer Muttersprache nicht schreiben und lesen konnten. Außerdem kamen bald neue Nationalitäten dazu. Waren es erst Syrer, Iraker und Iraner, so kamen am 16. Juni 8 junge Männer aus dem Sudan nach Groß Schwülper. Am 6. Oktober waren es sogar 23 Männer aus Côte d´Ivoire, also der Republik Elfenbeinküste, die in Vordorf, Rethen, Groß Schwülper und Didderse untergebracht wurden.
Parallel zum Deutschunterricht entwickelte sich ebenfalls schnell der Arbeitsbereich „Sachspenden“. Nach dem anfänglichen Provisorium in einer Scheune konnten wir ab Juni 2016 das alte Gemeindezentrum nutzen und hatten dort genug Platz für all die Kleidungspenden, Haushaltsartikel und Kleinmöbel, die wir nun reichlich bekamen. Im Keller des Gebäudes, im ehemaligen Schießstand, fand sich zudem genug Platz für unsere Fahrradwerkstatt, durch die im Laufe der Zeit bis heute mehr als 100 verkehrssichere Fahrräder an Geflüchtete weitergegeben wurden.
Zusätzlich entwickelte sich dieses „Magazin“, wie wir das ehemalige Gemeindezentrum nennen, mehr und mehr zu einem gut besuchten Treffpunkt, der die „Cafés der Begegnung“ zunächst ergänzte und schließlich ersetzte. Ohne dieses für unsere Arbeit so wichtige Gebäude wären wir in diesen 5 Jahren nicht so erfolgreich gewesen.
An dieser Stelle wird mir selbst noch einmal sehr bewusst, wie viel sich gleich in den ersten Monaten unserer 5-jährigen Geschichte bereits getan hat, dabei ist vieles noch gar nicht erwähnt. Nicht vergessen werden soll aber unser herrliches Sommerfest am 7. August 2016 auf dem Festplatz in Meine. Mehr als 150 Menschen feierten bei sehr schönem Wetter mit vielen Aktivitäten, Unterhaltung und kulinarischen Genüssen. Der Feuerwehr-Musikzug spielte und der spontane Auftritt einer syrischen Musikergruppe animierte zum Tanzen.
Es lief in diesen 5 Jahren nicht alles so problemlos und so erfolgreich, wie es beim Lesen der vorstehenden Zeilen erscheinen mag. Es gab immer wieder auch Rückschläge und Misserfolge bis hin zu Momenten tiefer Trauer. Und so aktiv und ereignisreich das erste dieser 5 Jahre war, so sehr dämpfte die Corona-Pandemie in den letzten 12 Monaten unsere Aktivitäten. Zwar findet die gezielte Unterstützung für diejenigen, die unsere Hilfe nach wie vor brauchen, unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen weiterhin statt, doch gleichzeitig sehnen wir uns alle danach, dass in absehbarer Zeit im Magazin mal wieder so richtig das Leben toben möge!
Zum Schluss möchte ich im Namen der Flüchtlingshilfe Danke sagen. Danke an alle, die uns in diesen 5 Jahren unterstützt haben, sowohl den Bürgerinnen und Bürgern, die uns Sach- oder Geldspenden zukommen ließen, Danke auch den Politikern, die sich z.B. dafür eingesetzt haben, dass wir das alte Gemeindezentrum nutzen durften und hoffentlich noch lange weiter nutzen dürfen. Es tut gut zu wissen, dass wir hier im Papenteich auf eine breite Unterstützung für unsere Arbeit zählen können. Das ist nicht überall im Lande selbstverständlich.